Yamakasa

Eine Schrift, die mitläuft und trägt

Fonts im Alltag: Die lateinischen Schriftarten Tausend Plakat und Tausend in Kombination mit der japanischen Hiragino Sans für das ›Yamakasa 2025 Nishinagare‹-Fotobuch, welches das Hakata-Gion-Yamakasa-Fest in Fukuoka dokumentiert.
Die 300-seitige fotografische Dokumentation „Yamakasa“ von Klaus Richterwirft einen Blick hinter die Kulissen des spektakulären Hakata Gion Yamakasa Festival in der japanischen Stadt Fukuoka.

Ein Bildband über ein 785 Jahre altes japanisches Ritual, fotografiert von einem renommierten Rock- und Metal-Szene- Fotografen, gestaltet von seinem Sohn, typografisch getragen von einem deutsch-japanischen Schriftspektakel … „Yamakasa“ ist kein klassisches Fotobuch, sondern ein Geflecht aus Kultur, Nähe und Bewegung.

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as Buch dokumentiert das Hakata-Gion-Yamakasa-Fest 2025 und übersetzt dessen Energie in eine visuelle Sprache, die weit über eine reine Dokumentation hinausgeht.

Der Ursprung des Festivals geht auf das Jahr 1241 zurück, als sich der buddhistische Mönch Enni von der Bevölkerung auf einem Festwagen durch die Stadt tragen ließ, um mit Gebeten die Pest zu vertreiben. Aus der rituellen Zeremonie entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein weltweit einzigartiges spirituelles Fest. Vom 1. bis 15. Juli ziehen alljährlich sieben Männergruppen mit ihren prachtvollen Yamakasas durch die Altstadt: reich geschmückte Holzgestelle mit über einer Tonne Gewicht.

Fonts im Alltag: Die lateinischen Schriftarten Tausend Plakat und Tausend in Kombination mit der japanischen Hiragino Sans für das ›Yamakasa 2025 Nishinagare‹-Fotobuch, welches das Hakata-Gion-Yamakasa-Fest in Fukuoka dokumentiert.
Fonts im Alltag: Die lateinischen Schriftarten Tausend Plakat und Tausend in Kombination mit der japanischen Hiragino Sans für das ›Yamakasa 2025 Nishinagare‹-Fotobuch, welches das Hakata-Gion-Yamakasa-Fest in Fukuoka dokumentiert.

Der deutsche Fotograf Klaus Richter – seit den 1960er-Jahren mit seiner Kamera ein stetiger Begleiter der Rock- und Metal-Szene – erhielt 2025 die seltene Erlaubnis, eines der Teams während der Festtage rund um die Uhr zu begleiten. Seine Fotografien dokumentieren nicht nur die Prozession selbst, sondern auch die Vorbereitung, die Pausen, den Schweiß und das Publikum. Sie zeigen den Pulsschlag einer Gemeinschaft, die ihre Tradition feiert.

Den Anstoß für das Buch lieferte die Foto-Plattform LFI Gallery (Leica Fotografie International), die im Herbst 2025 fünf Fotografien von Klaus Richter als Mastershot, fünf weitere Bilder als Selection sowie ein Foto als Bild der Woche auszeichnete.

Foto von Klaus Richter
LFI-Mastershot von Klaus Richter
Eines der fünf von LFI prämierten Mastershots.
Fonts im Alltag: Die lateinischen Schriftarten Tausend Plakat und Tausend in Kombination mit der japanischen Hiragino Sans für das ›Yamakasa 2025 Nishinagare‹-Fotobuch, welches das Hakata-Gion-Yamakasa-Fest in Fukuoka dokumentiert.
So wie die Trage quer durch die Altstadt Hakatas bewegt wird, nehmen die erläuternden Texte unterschiedliche Positionen auf den Doppelseiten ein.

Gestaltet wurde Yamakasa von Klaus Richter und seinem Sohn Gabriel. Sie konzeptualisieren das Buch als räumliches und bewegliches Objekt. Die Headlines und Texte bewegen sich über die Seiten wie die Yamakasa-Tragen durch die Stadt. Die offene Fadenheftung ist nicht nur ein ästhetisches Detail, sondern ein bewusstes Zitat der Seile und Schnüre, die die Yamakasas zusammenhalten. Mit seinen rund 300 Seiten erhielt das Buch eine körperliche Präsenz, die das Gewicht und die Wucht des Festes spürbar macht.

Während der Vorbereitungen des Festivals tragen die Männer einen stilvollen Toban-Happi als angemessene Kleidung außerhalb des Umzugs. Es gibt über 50 Arten davon. Die von Klaus Richter begleitete Gruppe Nishinagare tragen dunkelblaue Toban-Happi mit weißen Schriftzeichen. Gabriel Richter skizzierte, daraus abgeleitet, zunächst einen Headline-Font, den er aber nicht weiter verfolgte: „Das wirkte mir zu aufgesetzt.“ (Richter)

Fonts im Alltag: Die lateinischen Schriftarten Tausend Plakat und Tausend in Kombination mit der japanischen Hiragino Sans für das ›Yamakasa 2025 Nishinagare‹-Fotobuch, welches das Hakata-Gion-Yamakasa-Fest in Fukuoka dokumentiert.
LFI-Mastershot von Klaus Richter
Eines der fünf von LFI prämierten Mastershots: Bei 38 Grad flimmert die Luft, das Wasser aus den Kübeln der Zuschauer sorgt für Abkühlung.
LFI-Mastershot von Klaus Richter
Am Morgen des 15. Juli, noch vor Sonnenaufgang, beginnt der Höhepunkt: der Oiyama-Lauf. Mit rhythmischen Trommeln im Rücken, stürmen die Läufer durch die Gassen – eine Mischung aus Ekstase, Ritual und purer Hingabe. Nach dem Lauf zerreißt die Gruppe zeremoniell in einer Art Kampf die Trage. Ergattern die Teilnehmer etwas, dürfen sie es als Trophäe mit nach Hause nehmen. Da dieses Ritual zu gefährlich ist, gibt es das Ritual mittlerweile nur noch bei der Gruppe, die Klaus Richter begleitete.

Bei der deutsch-japanischen Typografie-Inszenierung spielt stattdessen die Schrift Tausend eine zentrale Rolle, an deren Entwicklung auch Gabriel Richter beteiligt war. Ihre Kompaktheit und die leicht schrägen Abschlüsse korrespondieren stark mit der Struktur japanischer Kanji und deren Strichdynamik. Eng gesetzte Buchstaben erzeugen ein Gefühl von Dichte und Zusammenhalt, wie es die Männergruppen mit ihrer Trage vormachen. Im Zusammenspiel mit der japanischen Schrift Hiragino Sans von SCREEN Graphic Solutions, deren feine Gewichtsabstufungen sich präzise auf die Tausend abstimmen ließen, entstand ein mitreißender typografischer Dialog – ohne plakative Effekte oder kulturelle Vereinfachungen.

Yamakasa ist ein Buch über Gemeinschaft, Vertrauen und Bewegung. Tausend ist dabei kein neutraler Träger von Information, sondern Teil der Erzählung: kraftvoll, kompakt, rhythmisch. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Schrift nicht nur begleitet, sondern Bedeutung trägt. Und wie Typografie eine Brücke schlagen kann zwischen Form und Inhalt.

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Fonts im Alltag: Die lateinischen Schriftarten Tausend Plakat und Tausend in Kombination mit der japanischen Hiragino Sans für das ›Yamakasa 2025 Nishinagare‹-Fotobuch, welches das Hakata-Gion-Yamakasa-Fest in Fukuoka dokumentiert.
Die Schriften Tausend und Hiragino Sans führen ihren typografischen Dialog wahlweise positiv oder negativ.
Foto von Klaus Richter
Fonts im Alltag: Die lateinischen Schriftarten Tausend Plakat und Tausend in Kombination mit der japanischen Hiragino Sans für das ›Yamakasa 2025 Nishinagare‹-Fotobuch, welches das Hakata-Gion-Yamakasa-Fest in Fukuoka dokumentiert.