iese Frage habe ich schon vor langer Zeit beiseite geschoben, als ich meine ersten Erfahrungen im Entwerfen thailändischer Looped-Buchstabenformen machte (Looped: Traditionelle Zeichen des thailändischen Alphabets, die sich durch kleine kreisförmige Schleifen auszeichnen und vor allem in Schulbüchern, im Verlagswesen und in längeren Texten verwendet werden). Die Arbeit fühlte sich anfangs so an, als hätte man es bei jedem Zeichen mit einem Ampersand (&) zu tun. Rein wirtschaftlich lässt sich der enorme Zeit- und Lernaufwand, den thailändische Schriftgestalterinnen und -gestalter in dieses System investieren, kaum rechtfertigen.
Misst man den Wert jedoch daran, was dadurch erhalten und weitergetragen wird, sieht die Antwort ganz anders aus: historische Buchstabenformen davor zu bewahren, im technologischen Wandel unterzugehen, und mit jedem neuen Projekt das Verständnis für die thailändische Schrift zu vertiefen … dann lautet die Antwort eindeutig „Ja!“
Die Thai-Schriftkultur wird nie langweilig. Es gibt immer etwas zu lernen, gestalterisch wie technisch. Ich bin in Bangkok geboren und aufgewachsen und beschäftige mich seit acht Jahren intensiv mit unserer Schrift. Meine Wertschätzung für ihre Vielfalt ist in dieser Zeit stetig gewachsen – jede Stilvariante bringt neue Erkenntnisse.
Was die historischen Grundlagen betrifft, überlasse ich das Feld allerdings gerne einem ausgewiesenen Experten: „History of Thai typography“ von Pracha Suveeranont, veröffentlicht bei Typotheque, ist bis heute die umfassendste Dokumentation der Geschichte thailändischer Schrift- und Druckkultur. Im Folgenden gebe ich kurz einen Überblick und konzentriere mich anschließend auf einige Meilensteine dieser Geschichte.