In Erinnerung bleiben wird das Festival dennoch für starke Filme und großartige Schauspielerinnen und Schauspieler. Vielleicht auch für seinen visuellen Auftritt, auch wenn er nur Berliner, Touristen und Festival-Besucher erreichte. Für das Plakat und das Key Visual der Berlinale 2026 zeichnete erneut die Berliner Designerin Claudia Schramke verantwortlich. Festlich, farbenfroh und verspielt kehrte der Bär ins Zentrum der visuellen Identität zurück. Den konzeptuellen Kern beschreibt Schramke so: „Der diesjährige Berlinale-Bär ist ein veritables Festivalwesen, zusammengesetzt aus Lichtpunkten, die für Menschen, Perspektiven und Filme stehen. Sie kommen zusammen, verbinden sich, treten in einen Dialog und werden gemeinsam zu etwas Größerem und Stärkerem.“
Berlinale 2026
Licht, Farbe, Haltung: visuelle Identität der Berlinale 2026
Als Kontrast zur turbulenten Farbigkeit des Key-Visuals wählte Schramke eine klare Typografie: weißer, statischer Text, der als konsistenter typografischer Block gesetzt ist – kompakt, präzise und in einer einheitlichen Schriftgröße. Diese Stringenz sorgt für eine kraftvolle visuelle Präsenz und eine klare Leserlichkeit. Bei der Schrift fiel die Wahl auf Tausend, eine neue serifenlose Familie von Fontwerk, entworfen von Christoph Koeberlin in Zusammenarbeit mit Gabriel Richter. Sie steht in der Tradition der deutschen Groteskschrift, aber mit einen anarchistischen Kern: der leichte Überhang, die sanfte Kopflastigkeit, das Lächeln und Augenzwinkern in den Kurven.
Koeberlin selbst beschreibt ihre Persönlichkeit so: „Tausend ist brutal ehrlich, selbstbewusst und zuversichtlich.“ Inzwischen wissen wir: Keine schlechte Wahl für ein Festival, das viel Gegenwind aushalten musste. Gerade die optische Größe Tausend Medium – dicht, kompakt, mit ungeschliffenen Formen – hinterlässt einen starken Eindruck im Berlinale-Branding.
Formal überzeugt Tausend durch eine klare, prägnante Gestaltung mit einem unverkennbaren Berliner Ton: reduziert, selbstbewusst und mit subtiler Eigenständigkeit. Sie bleibt zurückhaltend genug, um nicht zu dominieren, bringt aber gleichzeitig genug Charakter mit, um dem visuellen Auftritt Tiefe zu verleihen – eine ideale Ergänzung zum ausdrucksstarken und zugleich feinen, partikelbasierten Key Visual.
Für Fontwerk ist der Berlinale-Auftritt 2026 mehr als ein weiteres Einsatzbeispiel. Zum zweiten Mal in Folge hat Claudia Schramke für das weltweit beachtete Filmfestival auf eine Schrift des Berliner Büros zurückgegriffen – nach Pangea im Jahr 2025. Dass eine Designerin erneut ins gleiche Regal greift, ist kein Zufall: Es spricht für die Bandbreite und den zeitgenössischen Anspruch des Fontwerk-Portfolios.